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Versicherungspflicht

Auch freiberuflich Tätige unterliegen unter bestimmten Umständen der Versicherungspflicht. In diesem Kapitel erfahren Sie, welche Besonderheiten in freien Berufen mit Zulassungsvoraussetzungen hinsichtlich folgender Versicherungen gelten:

  • Rentenversicherung
  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Unfallversicherung
  • Arbeitslosenversicherung

Bei der Einstufung innerhalb der einzelnen Versicherungszweige spielt die Frage nach der Selbständigkeit eine zentrale Rolle. Freiberuflerinnen und Freiberufler sind häufig als freie Mitarbeiterinnen oder freie Mitarbeiter tätig. Diese sind aber nicht automatisch "echte" Selbständige, denn auch sie können in einer abhängigen Beschäftigung stehen.

Achten Sie sowohl als Arbeitgeber als auch als Auftragnehmerin oder Auftragnehmer darauf, dass es bei der T√§tigkeit nicht zu einer sogenannten "Scheinselbst√§ndigkeit" kommt, bei der in Wahrheit doch ein Besch√§ftigungsverh√§ltnis eingegangen wird und die Auftragnehmerin oder der Auftragnehmer vom Arbeitgeber wie eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer abh√§ngig ist. Wenn hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Einordnung einer Erwerbst√§tigkeit als selbst√§ndige T√§tigkeit oder abh√§ngige Besch√§ftigung Unklarheiten bestehen, verschafft das Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung Bund hier√ľber Rechtssicherheit f√ľr die Beteiligten.

Tipp: √úber die im Folgenden beschriebenen Versicherungen hinaus sollten Sie auch immer √ľber den Abschluss einer Berufsunf√§higkeitsversicherung nachdenken, sofern diese nicht bereits durch eine Mitgliedschaft in den berufsst√§ndischen Versorgungswerken abgedeckt ist. Auch der Abschluss betrieblicher Versicherungen (z.B. Berufshaftpflicht-, Betriebsunterbrechungs- und Betriebskostenversicherung) kann empfehlenswert sein. Selbst√§ndig t√§tige Freiberuflerinnen und Freiberufler in bestimmten Berufen (z.B. Wirtschaftspr√ľfung) sind sogar zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung verpflichtet.

Rentenversicherung

Selbst√§ndig t√§tige Freiberuflerinnen und Freiberufler, f√ľr die die Mitgliedschaft in einer Kammer obligatorisch ist (z.B. √Ąrztinnen und √Ąrzte, Architektinnen und Architekten, Rechtsanw√§ltinnen und Rechtsanw√§lte, Steuerberaterinnen und Steuerberater), sind in den berufsst√§ndischen Versorgungswerken rentenversicherungspflichtig. In der gesetzlichen Rentenversicherung sind sie versicherungsfrei.

Als Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer t√§tige Freiberuflerinnen und Freiberufler sind - auch wenn die unselbst√§ndige Aus√ľbung ihres Berufs die Mitgliedschaft in einer Kammer ebenfalls voraussetzt - grunds√§tzlich in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig. Auf Antrag k√∂nnen sie sich aber von dieser Versicherungspflicht zugunsten des jeweiligen berufsst√§ndischen Versorgungswerks befreien lassen. Die alleinige Versicherung in den berufsst√§ndischen Versorgungswerken ist f√ľr sie ausreichend. N√§here Informationen √ľber die Mitgliedschaften in einzelnen berufsst√§ndischen Versorgungswerken finden Sie in den entsprechenden Verfahrensbeschreibungen.

Bestimmte Freiberuflerinnen und Freiberufler aus anderen Berufen, f√ľr die die Mitgliedschaft in einer Kammer nicht zwingend vorgeschrieben ist, sind rentenversicherungspflichtig. Hierzu geh√∂ren unter anderem:

  • selbst√§ndige Lehr-und Erziehungskr√§fte, die keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besch√§ftigen
  • selbst√§ndige Pflegepersonen, die keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besch√§ftigen
  • selbst√§ndige Hebammen und Entbindungspfleger
  • selbst√§ndig T√§tige, die keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besch√§ftigen und auf Dauer und im Wesentlichen nur f√ľr einen Auftraggeber t√§tig sind

Kranken- und Pflegeversicherung

Selbständige Freiberuflerinnen und Freiberufler sind grundsätzlich nicht in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung pflichtversichert. Sie können sich unter Umständen als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versichern oder einer privaten Versicherung beitreten.

Dar√ľber hinaus sind seit April 2007 Personen ohne anderweitigen Krankenversicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig, wenn sie unter anderem zuletzt gesetzlich versichert waren. Diese Versicherungspflicht gilt auch f√ľr Selbst√§ndige.

Unfallversicherung

Versicherungsf√§lle sind der Arbeitsunfall und die Berufskrankheit. Zum Arbeitsunfall z√§hlt nicht nur der im Betrieb bei der eigentlichen Arbeitst√§tigkeit erlittene Unfall, sondern auch der Wegeunfall (Zur√ľcklegen des Weges von der Wohnung zum Ort der T√§tigkeit und zur√ľck).

Eine Versicherungspflicht besteht nur f√ľr einige Bereiche (z.B. f√ľr Hebammen und Entbindungspfleger, Kranken- und Altenpflege, Krankengymnastik, Logop√§die und Physiotherapie). In diesem Fall muss mit der Aufnahme der T√§tigkeit eine Anmeldung bei der zust√§ndigen Berufsgenossenschaft erfolgen.

Im √úbrigen steht es freiberuflich T√§tigen frei, ob sie eine freiwillige Unfallversicherung bei der f√ľr sie zust√§ndigen Berufsgenossenschaft abschlie√üen.

Als Arbeitgeber sind Freiberuflerinnen und Freiberufler verpflichtet, ihre Angestellten in der Unfallversicherung entsprechend zu versichern.

Tipp: Die Brosch√ľre "Berufsunfallversicherung der Freien Berufe" bietet weitere Hinweise zu diesem Themenbereich sowie eine Auflistung der wichtigsten Berufsgenossenschaften.

Arbeitslosenversicherung

Seit Februar 2006 besteht auch f√ľr Selbst√§ndige die M√∂glichkeit, in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Weiterversicherung. N√§heres finden Sie in der Verfahrensbeschreibung.

Verfahren:

Freigabevermerk:

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zust√§ndigen Stellen. Das Wirtschaftsministerium und die Deutsche Rentenversicherung Baden-W√ľrttemberg haben ihn am 16.11.2016 freigegeben.

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