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EntschÀdigung bei VerspÀtung im Eisenbahnverkehr beantragen

Als Eisenbahnfahrer oder Eisenbahnfahrerin haben Sie ein Recht auf EntschÀdigung, falls sich Ihr Zug verspÀtet oder ausfÀllt.

Es gelten folgende Regelungen fĂŒr VerspĂ€tungen am Zielort:

1. FĂŒr Eisenbahnfahrkarten in Deutschland und Europa können Sie in der Regel folgende EntschĂ€digungen bei VerspĂ€tungen erhalten:

  • ab 60 Minuten: 25 Prozent des Fahrpreises
  • ab 120 Minuten: 50 Prozent des Fahrpreises
  • Erstattung bei Nichtantritt oder Abbruch der Reise:
    Bei einer zu erwartenden VerspÀtung von mehr als 60 Minuten können Sie
    • vor Fahrtantritt von der Reise zurĂŒcktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen,
    • bei Nutzung einer Teilstrecke sich den Fahrpreis fĂŒr die nicht genutzte Strecke erstatten lassen,
    • die Reise unterwegs abbrechen oder an den Ausgangsbahnhof zurĂŒckkehren, wenn die Reise nach den ursprĂŒnglichen ReiseplĂ€nen sinnlos geworden ist. In diesem Fall können Sie sich folgende BetrĂ€ge erstatten lassen:
      • den Anteil des Fahrpreises fĂŒr die nicht genutzte Strecke,
      • den Fahrpreis fĂŒr die bereits durchfahrene Strecke und
      • wenn erforderlich auch den Preis fĂŒr die RĂŒckfahrt zum Abfahrtsbahnhof.
  • Weitere Rechte:
    Bei einer zu erwartenden VerspĂ€tung von mehr als 60 Minuten am Zielort können Sie die Reise bis zum Zielort ĂŒber eine andere Strecke unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen fortsetzen. Dies können Sie bei nĂ€chster Gelegenheit oder spĂ€ter tun.

2. Weitergehende Regelungen speziell fĂŒr deutsche Eisenbahntarife:

  • Bei einer zu erwartenden VerspĂ€tung ab 20 Minuten am Zielort können Sie
    • Ihre Reise bei nĂ€chster Gelegenheit mit einem anderen Zug auf der gleichen Strecke oder ĂŒber eine andere Strecke fortsetzen oder
    • Ihre Reise zu einem spĂ€teren Zeitpunkt fortsetzen, wenn dadurch die VerspĂ€tung am Zielbahnhof reduziert werden kann.

Dies gilt nicht fĂŒr ZĂŒge mit besonderer Reservierungspflicht.

Besitzen Sie eine Fahrkarte des Nahverkehrs, mĂŒssen Sie bei Nutzung eines tariflich höherwertigen Zuges die zusĂ€tzlich erforderliche Fahrkarte oder den ProduktĂŒbergang zunĂ€chst bezahlen. Anschließend können Sie sich die Kosten hierfĂŒr erstatten lassen.

Sie können andere Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi zu Ihrem Zielort nutzen, wenn:

  • Ihr Zug sich voraussichtlich um mindestens 60 Minuten am Zielort verspĂ€tet und die planmĂ€ĂŸige Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr liegt.
  • Die letzte fahrplanmĂ€ĂŸige Verbindung des Tages ausfĂ€llt und Sie Ihren Zielort (Endbahnhof) ohne die Nutzung des anderen Verkehrsmittels nicht mehr bis um 24 Uhr erreichen können.

Wenn Sie ein anderes Verkehrsmittel nutzen, mĂŒssen Sie die hierfĂŒr erforderliche Fahrkarte zunĂ€chst bezahlen. Sie können sich die Kosten hierfĂŒr bis maximal 80 Euro erstatten lassen. Das Eisenbahnunternehmen kann Ihnen auch Kosten fĂŒr ein Taxi bis zu diesem Betrag erstatten, wenn kein öffentliches Verkehrsmittel zur VerfĂŒgung steht. Unter UmstĂ€nden kann Ihnen auch das Eisenbahnunternehmen eine andere Weiterbeförderung zu Ihrem eigentlichen Zielort anbieten.

  • MĂŒssen Sie wegen der VerspĂ€tung oder des Ausfalls ĂŒbernachten, weil Ihnen eine Fortsetzung Ihrer Reise am selben Tag nicht zugemutet werden kann, erstattet Ihnen das Eisenbahnunternehmen die Übernachtungskosten in angemessener Höhe. Stellt Ihnen die Eisenbahn eine Übernachtung zur VerfĂŒgung, hat dies Vorrang vor selbst organisierten Alternativen.
  • Zeitfahrkarten sind Fahrkarten, die Sie nutzen können
    • innerhalb eines festgelegten Zeitraums
    • fĂŒr eine bestimmte Strecke oder
    • in einem bestimmten Netz
    • fĂŒr eine unbegrenzte Zahl von Fahrten

FĂŒr Zeitfahrkarten gelten bei VerspĂ€tungen ab 60 Minuten bestimmte EntschĂ€digungsregeln.

  • Zeitfahrkarten des Nahverkehrs: 1,50 Euro (2,25 Euro in der 1. Klasse) pro Fahrt
  • Zeitfahrkarten des Fernverkehrs: 5 Euro (7,50 Euro in der 1. Klasse) pro Fahrt
  • BahnCard 100: 10 Euro (15 Euro in der 1. Klasse) pro Fahrt
  • Die EntschĂ€digung kann insgesamt maximal 25 Prozent des Zeitkartenwertes betragen.

Achtung:

  • EntschĂ€digungsbetrĂ€ge unter 4 Euro werden nicht ausbezahlt. VerspĂ€tungsfĂ€lle innerhalb der Geltungsdauer einer Zeitfahrkarte können angesammelt werden, so dass die 4-Euro-Grenze ĂŒberschritten wird.
  • FĂŒr Fahrkarten mit erheblich ermĂ€ĂŸigten Preisen wie das Schöne-Wochenende- oder das Baden-WĂŒrttemberg-Ticket gelten besondere Regelungen. Diese können Sie in den Beförderungsbedingungen des jeweiligen Eisenbahnunternehmens nachlesen.
  • Die Fahrgastrechte gelten fĂŒr den regulĂ€ren Linienverkehr.
    Sie gelten in der Regel nicht fĂŒr den Verkehrsbetrieb aus GrĂŒnden historischen Interesses oder zu touristischen Zwecken (Sonderfahrt).
  • FĂŒr Fahrten im Nahverkehr innerhalb des rĂ€umlichen Geltungsbereiches eines Verkehrsverbund- oder LĂ€ndertarifs gelten in der Regel dessen jeweilige Regelungen. Diese können von den hier genannten Regelungen abweichen. Inhaber solcher Fahrkarten sollten sich beim jeweiligen Verkehrsverbund nach den dort gĂŒltigen Fahrgastrechten erkundigen.

Tipp: AusfĂŒhrliche Informationen zu Ihren Fahrgastrechten im Eisenbahnverkehr finden Sie auf den Seiten der Deutschen Bahn unter "Fahrgastrechte" sowie in einem Portal ĂŒber Fahrgastrechte.

Generelle Zuständigkeit:

  • fĂŒr Erstattungen des Fahrpreises bei Nichtantritt der Reise in Folge des Ausfalls oder der VerspĂ€tung: das Unternehmen, bei dem Sie die Fahrkarte gekauft haben
  • fĂŒr EntschĂ€digungen wegen einer VerspĂ€tung oder eines Ausfalls: in der Regel das Eisenbahnunternehmen wie die Deutsche Bahn, bei dem Sie den Fahrausweis gekauft haben
  • das Servicecenter Fahrgastrechte, wenn Sie:
    • keine BestĂ€tigung Ihrer VerspĂ€tung auf einem Fahrgastrechte-Formular erhalten haben,
    • nur eine Kopie Ihrer Fahrkarte einreichen möchten,
    • Inhaberin oder Inhaber einer Zeitfahrkarte sind,
    • Inhaberin oder Inhaber einer Fahrkarte im grenzĂŒberschreitenden Verkehr oder einer Fahrkarte fĂŒr eine Reisekette aus ZĂŒgen mehrere Eisenbahnunternehmen sind,
    • Inhaber einer Fahrkarte fĂŒr DB Autozug sind oder
    • die Erstattung erforderlicher Mehraufwendungen wie fĂŒr zusĂ€tzliche Fahrkarten wegen einer VerspĂ€tung oder eines Ausfalls beantragen möchten.
  • Bei Fahrkarten eines Verkehrsverbundes der jeweilige Verkehrsverbund, wenn dieser die Bearbeitung der FĂ€lle selbst ĂŒbernimmt und nicht auf die jeweiligen Eisenbahnunternehmen oder das Servicecenter Fahrgastrechte verweist

Voraussetzungen:

  • Ihr Zug
    • hat mindestens 60 Minuten VerspĂ€tung oder
    • fĂ€llt aus.
  • Es liegen keine GrĂŒnde fĂŒr einen Ausschluss der Haftung vor. GrĂŒnde fĂŒr einen Ausschluss der Haftung sind:
    • außerhalb des Eisenbahnbetriebs liegende UmstĂ€nde, die das Eisenbahnunternehmen trotz Anwendung der nach Lage des Falls gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und deren Folgen es nicht abwenden konnte
    • Verschulden des Reisenden oder der Reisenden selbst
    • Verhalten eines Dritten, welches das Eisenbahnunternehmen trotz Anwendung der nach Lage des Falles gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden und dessen Folgen es nicht abwenden konnte

Unterlagen:

  • Fahrkarte im Original oder in Kopie; bei Zeitfahrkarten immer in Kopie
  • bei personengebundenen Fahrkarten: ein IdentitĂ€tsnachweis
  • bei fehlendem Preisaufdruck auf der Fahrkarte: einen Kostennachweis
  • das ausgefĂŒllte und unterschriebene Fahrgastrechte-Formular; alternativ auch Darstellung Ihres Anliegens mit formlosem Schreiben möglich
  • Belege ĂŒber zu erstattende weitere Kosten wie zum Beispiel zusĂ€tzlich erworbene Fahrkarten, Taxi, Übernachtung im Original
  • Bei Handy-Tickets: BuchungsbestĂ€tigung oder Online-Ticket mit Hinweis darauf, dass es sich um ein Handy-Ticket handelt

Tipp: Vergessen Sie nicht, Ihre Adresse und Ihre Bankverbindung anzugeben, wenn Sie eine Überweisung wĂŒnschen. Wenn Sie zusĂ€tzlich Ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben, kann es die Bearbeitung bei möglichen RĂŒckfragen erleichtern.

Ablauf:

Die EntschĂ€digung mĂŒssen Sie bei der zustĂ€ndigen Stelle beantragen.

Dazu mĂŒssen Sie sich die VerspĂ€tung oder den Ausfall des Zuges auf Ihrer Fahrkarte oder dem Fahrgastrechte-Formular bestĂ€tigen lassen.

BestÀtigungen erhalten Sie:

  • vom Zugbegleitpersonal oder
  • an einer Informations- oder Servicestelle des Eisenbahnunternehmens wie zum Beispiel der DB Information oder dem DB Reisezentrum

NĂ€here Informationen zu Ihren Fahrgastrechten finden Sie in dem Fahrgastrechte-Formular. Dieses erhalten Sie

  • beim Zugbegleitpersonal,
  • an den Informations- und Servicestellen des Eisenbahnunternehmens oder
  • im Internet oder
  • auf der Serviceseite zu Fahrgastrechten.

Bewahren Sie Ihre Originalfahrkarte und Belege ĂŒber sonstige Mehraufwendungen auf.

Beispielsweise sind das

  • Fahrkarten fĂŒr tariflich höherwertige ZĂŒge und andere öffentliche Verkehrsmittel,
  • Taxiquittungen oder
  • Hotelrechnungen.

Bei Wochen- und Monatskarten des Nahverkehrs mĂŒssen Sie VerspĂ€tungsfĂ€lle nach Ablauf der jeweiligen Geltungsdauer gesammelt einreichen.

Bei Erhalt einer EntschÀdigung können Sie in der Regel zwischen einem Gutschein und einem Geldbetrag wÀhlen.

Sind Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden, können Sie sich an die unabhĂ€ngige Schlichtungsstelle fĂŒr den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp)wenden, Tel.: 030.6449933-0, E-Mail: kontakt(@)soep-online.de. Die söp bearbeitet StreitfĂ€lle fĂŒr FahrgĂ€ste der Mitgliedsunternehmen kostenlos und schlĂ€gt eine Lösung fĂŒr eine außergerichtliche Streitbeilegung vor.

Eine Beschwerde können Sie direkt an das Eisenbahn-Bundesamt, Heinemannstraße 6, 53175 Bonn, Tel.: 0228 30795-400, E-Mail: fahrgastrechte(@)eba.bund.de als national zustĂ€ndige Aufsichtsbehörde ĂŒber den Eisenbahnverkehr richten.

Kosten:

keine

Frist:

Sie mĂŒssen Ihre AnsprĂŒche innerhalb eines Jahres nach Ablauf der GĂŒltigkeit der Fahrkarte geltend machen.

Sonstiges:

Informationspflicht als Bahnreisende

Als Fahrgast mĂŒssen Sie besonders folgende Informationsquellen beachten, um entscheiden zu können, ob eine VerspĂ€tung zu erwarten ist:

  • AushangfahrplĂ€ne und ausgehĂ€ngte Informationen ĂŒber FahrplanĂ€nderungen an Bahnhöfen und Haltestellen
  • elektronische Anzeigen und Lautsprecheransagen in ZĂŒgen, an Bahnhöfen oder Haltestellen
  • Fahrplaninformationen aus Buchungssystemen personalbedienter Verkaufsstellen
  • verfĂŒgbare Fahrplan- und Reisendeninformationsmedien

Rechtsgrundlage:

Freigabevermerk:

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zustĂ€ndigen Stellen. Das Ministerium fĂŒr Verkehr und Infrastruktur und das Ministerium fĂŒr LĂ€ndlichen Raum und Verbraucherschutz haben ihn am 24.11.2016 freigegeben.

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Fax 07127 977649-49

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